Sonntag, 28. November 2010

Nach Ewigkeiten


Mal wieder ein bisschen melden! Sonntag in Kapstadt, kein Internet im Haus, also im Eckcafé sitzen wo man tatsächlich von uns aus hinlaufen kann (tagsüber zumindest). Yay! Trinke Tee und war heut Morgen im botanischen Garten der einfach mal am Fuße vom Tafelberg ist, stinkende Bäume, Perlhuhnbabies und ein paar aussterbende Pflanzen, sehr schick. (Die Leute mit denen ich da war erzählten dass es erst seit den 70ern Fernseher in Südafrika gibt, abgefahren ...)

Fabelhafterweise hat die Stadt verboten Strände privat zu machen, man kann also zu jedem reichen Strandhausbezirk gehen und sich berieseln lassen vom Meer. Gestern in so einem Ort namens "Bakoven" (jaha, Backofen) gewesen, mal wieder ein Aufwiedersehen-grillen, komisches Kapstadtding, dass die meisten Leute die man trifft und mag entweder grad erst angekommen sind oder bald wieder wegfahren, also findet man sich auf vielen Aufwiedersehensfeiern wieder.

Bin weiterhin im typischen Kapstadtfreizeitstress, eigentlich total entspannte Stadt mit Stränden und Yoga und so, aber es gibt so viel zu tun und alle Leute haben ständig zu viele spaßige Dinge in ihrem Kalender und hetzen hin und her um alles mitzuerleben und schlafen zu wenig und so geht's mir auch immer noch. Viele gute Menschen hier, viel Spaß aber irgendwie wünsch ich mir auch einfach mal eine Woche mit NIX. Nunja. Bald kommt die Familie und packen mich mit ins Auto und dann 6 Tage die Garden Route runterfahren. Das dürfte jeglichen Stress kurieren, weil Sümpfe und Strände und sonst nichts. Wunderbar.

Arbeitsmäßig machts grad viel Spaß. Anne aus Dänemark ist auch Praktikantin und wir haben uns zusammengetan und versuchen die Organisation etwas mehr, tja, partizipativ zu machen, sprich die Menschen für die das Ganze eigentlich getan wird (meistens Leute in Slums) mehr miteinzubeziehen. Weil's eigentlich eher grad so läuft dass Lösungen im Büro ausgedacht werden (zB die FoodTents mit denen ich ja eigentlich arbeite) und an den Mann gebracht werden, ohne jegliche Ahnung ob das eigentlich das ist was die Leute brauchen, und ob es benutzerfreundlich ist, ob eigentlich genug Wissen besteht das ganze am Laufen zu halten und was die Leute eigentlich so davon halten. Deswegen haben wir mal ein paar Treffen angeleiert mit Leuten die schon FoodTents haben, befragen sie was so ihre Idealvorstellung des Ganzen ist und was fehlt. Und am 2ten Dezember gibts den eigentlichen, großen Workshop, mit 10 Leuten die FoodTents haben die jeweils noch 3 Leute mitbringen ... Mal sehen was das so bringt, aber macht Spaß lauter Leute interviewen, viele neue Einsichten, ein paar Verwirrungen (zB etwas Ärger von den Leuten auf dem Foto, unser erster Miniworkshop, weil wir keine Snacks mitgebracht haben, grobes Faux Pas wenn man einen Workshop veranstaltet wie es aussieht). Nunja. Und hart die vielen Lebensgeschichten zu hören. Die Frau bei der wir den Workshop links gemacht haben heisst Mama Rosie (nicht auf dem Foto), ist eine ziemlich alte Frau die in einer Hütte im Slum wohnt, ihr altes Haus ist niedergebrannt und ihr Sohn ist darin verbrannt, ihr anderer Sohn hat HIV und TB, ihre Töchter finden keine Arbeit und sie arbeitet für die Gemeindeorganisation und hat 2 FoodTents von denen Suppenküchen gesponsert werden. Nunja. Und solche Geschichten hört man überall. Und dann, wenn man sich in der reichen, meist weißen, Gesellschaft aufhält kommen halt auch gern rassistische Kommentare und hochgezogene Augenbrauen wenn man sagt dass man in den sogenannten Cape Flats arbeitet. Und dass diese Menschen ja eh nie was hinbekommen würden, oder es sei hoffnungslos, oder sie würden ja eh alles kaputtmachen was man ihnen gäbe, und genetisch ist es auch :D Nunja. Ganz schön krass mitunter, und vor 15 Jahren auch offizieller politischer Diskurs, was will man also erwarten. Reden mit Leuten hilft mitunter. Aber schon bitter was hier manche Menschen für Wein ausgeben und was manche Leute tun würden dafür dass das ihr Monatslohn wär. Mja.

Jonas hat sein Praktikum hier zugesagt bekommen und so zog ich also los um uns ein Nest zu finden und fand es, etwas seltsamer Vermieter der Alfalfa in Namibia anbaut, aber schönes Haus und feine Leute, einer Bootsbauer, ein anderer erneuerbare Energientyp aus Hamburg, und ein dicker Hund. Jipi

Zum Schluss noch ein Bild aus dem Büro, das tägliche Morningmeeting was meistens spaßbringend ist mit Quatsch und Quak, manchmal auch fremdschämen wenn der Chef seine größenwahnsinnigen Motivationsreden hält, jaja :).


Wünsche einen feinen kleinen Sonntag, wer schreiben will schreibe und ich schreibe zurück!

Freitag, 22. Oktober 2010

Katze tot, Auto kaputt

Jaja, vor ein paar Tagen wurde leider die Hauskatze überfahren (die die man noch Katze nennen konnte, die andere liegt eigentlich nur rum und bewegt sich nicht viel weil sie so alt ist) und weil es Evans Katze war war er sehr traurig und werkelte bis früh Morgens in seiner Garage und hörte traurigen Jazz. Am selben Tag fuhr ich jemandem an den Seitenspiegel seines Autos und das erfreute ihn so wenig dass er rechts an mir vorbeiraste und mir die Straße mit seinem Auto verbaute und sich etwas aufregte, eine Nadelstreifenweste trug er auch. Naja. Kein guter Montag.

Dafür sind die anderen Tage der Woche freundlicher gewesen, großartige Gedichtlesung in einem kleinen Seitenzimmer einer viktorianischen Bar mit leckerem Guinness gesehen, am Dienstag latschte eine Frau auf der Straße auf mich zu und sagte sie hätte ganz viele Tickets geschenkt bekommen für ein Studentenkonzert, ob ich nich zwei will. Wollte ich, schaute ich mir an, abgefahren, da deutsche Oper von afrikanischen runden Frauen gesungen. Naja, warum nicht, auf dem Weg dahin traf ich auch noch wen der ein Ticket brauchte, gab ich ihm also und man lachte gemeinsam über Operetten und so. Ein Spaß.

Die Sonne hat irgendwie grad nicht so die Lust, es windet rum aber heute war Muffinfreitag, wir haben um 15 uhr arbeitsschluss und kriegen Muffins und Kaffee am Morgen. Dann fand ich auch noch den besten Möhrenkuchen der Welt mit viel fettigem weißem Zeug obendrauf und es war das Beste was ich seit langem an Möhrenkuchen aß- Hervorragend!

So, zum Schluss noch ein paar Fotos, Chuck die Ente, Delilah und ihr Geburtstagskuchen, und das Büro in dem ich tagein tagaus schufte. Jawohl. Einen feinen Freitag Abend wünsch ich!

Samstag, 16. Oktober 2010

9 Tage und ein Samstag

Guten Tag,

gerade ein sonniger Samstag hier, 24 Grad und Hängematte im Garten, Delilah (Hausmama) hat Geburtstag und es gibt einen riesigen Käsekuchen. Ich schlafe fröhlich aus (bis 8:30!!), kauf ein paar Blumen auf dem Markt (auf dem auch ein Dackel mit pink lackierten Nägeln rumlief) und lieg in der Sonne, Arbeit schlaucht irgendwie, um einen herum auch viele gestresste Leute, und ich mittendrin, gehe mittlerweile immer so um halb 11 schlafen, gabs lange nicht mehr.

Gestern Abend aber spontan nach der Arbeit einfach mal mit zwei Mitarbeitern zum Strand gefahren, und in den Sonnenuntergang gesurft, eiskaltes Wasser aber fabelhafte Aussicht auf Tafelberg in der Ferne und abgefahrene Vögel die durchs Wasser plätschern, das Licht hier ist unglaublich, so in der Richtung griechische Inseln. Und immer noch keinen Sonnenbrand.


Da es mich so gut durch die Gegend rollt, hier ein Foto von meinem geliebten Mietauto:

Mitbewohner Ryan und ich fuhren neulich zum Signal Hill, ein ordentlicher Hügel mit Riesenmeer vor einem, dann zog ein Regensturm auf und gleichzeitig ging die Sonne unter, und lauter kleiner bettelnde Perlhühner zogen da auch durch die Gegend, einer von ziemlich vielen herrlicher-Ausblick-Orten hier:



Ansonsten viele viele Eindrücke die meinen Kopf ganz duselig machen, anstrengende, aber meist gute Tage hier, immer noch am einleben und vielleicht das Schwerste ist dass man nicht einfach durch die Stadt schlendern kann, immer muss man im Auto sitzen.

Nunja, jetzt gehts auf zu einem Rugbyspiel, ich bin gespannt (oh, und habe geträumt dass die Zwote wundersamerweise ein Spiel mit Werder Bremen hatte und dann fiel ein Tor für uns und alle brachen in Freudentränen aus!)

Auf Wiedersehen erstmal

Samstag, 9. Oktober 2010

Mal ein paar Fotos


So, hab mir mal ein Kartenlesegerät zugelegt und deswegen mal ein paar Fotos:

Links das Haushuhn auf einem seiner Lieblingsorte. Es ist sehr brütfreudig und es gab mal einen eiförmigen Wecker auf den das Huhn sich immer setzte, bis er in mein Zimmer verfrachtet wurde und ihm ein Entenei untergeschoben wurde. Deswegen ist das Huhn Mutter der Ente Chuck, die am liebsten den ganzen Tag im Bett liegt. Jaja ...



Rechts die gute Küche mit der Tür die zum Garten geht.











Und links eins der Food Tents mit denen ich arbeite, der Typ im grünen Hemd ist mein Chef, Jonathan. Und der Mann mit dem schicken Rastahut ist der Gärtner vom Zelt, links eine Journalistin. Und jetzt gehts schnell mal ins Pub auf eine kleine Feierabendvase :)

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Ankommen und Dasein


<--- in Ermangelung eines aktuellen Fotos, der fantastische Fruchtvogel von Pete & Imke


So so so, auf einmal ist es schon fast Freitag und ich bin eigentlich grad erst angekommen, aber da zwischen Mittwoch ankommen und heute Abend Donnerstag eine Millionen Dinge passiert sind fällt das irgendwie grad alles gar nicht auf. Sitze grad in meinem kuschligen Riesenbett und putzte mir die Zähne mit Blick auf Kapstadt Lichter auf dem Berg. Das alles im Haus von Delilah (rund und fröhlich) und Evan (dürr und fröhlich), die hier zusammen mit einer Ente, einem Huhn (das gerne auf dem Waschbeckenrand abhängt) und zwei Katzen teilen, Ryan ist der andere Mitbewohner, der vor 3 Monaten alles verkaufte was er hatte und jetzt nur noch Musik macht. Na bitte. Also: schön hier.

Arbeit ist komplett andersrum, lauter höchst gestresste Leute die alle den ganzen Tag über vieles wichtiges rumreden, heute Morgen gabs erstmal eine Begrüßungszeremonie "a mug and a hug", naja, Tasse und Umarmung, nech :D Nuja, aber alles fürchterlich freundliche Menschen hier, nur dieser Linksverkehr ist ein Graus. Heute schon durch einen halben Busch gefahren am Straßenrand und auch mal rechts gefahren und mich über den entgegenkommenden Minibus gewundert, dann schnell wieder nach links. Ein Traum ist allerdings das Auto, so ein feiner 80er Mercedes Schlitten in der Traumfarbe verblichenes Beige, hat 4 Gänge und rollt mich anständig durch die Gegend, auf seinem Schlüssel steht "Priest". Würde auch gern ein Foto von ihm präsentieren, hätte ich nicht das USB Kabel vergessen.

Puh pah, soviel soviel, durch die Townships auch gefahren mit Jonathan, quasi mein Boss für die Zeit die ich hier bin, sehr groß, viel arm, viel Wellblech aber auch abgefahrene Dinge, lauter buntes Rumgewusel und fantastische selbstgemalte Werbeschilder für abgefahrene Haarschnitte. Aussteigen und rumlaufen natürlich keine Option, auch in der Stadt sollte man das so oft wie möglich vermeiden, kommt wohl auch immer auf Bezirk und so an, aber schon seltsam wenn der eigene Sicherheitsinstinkt absolut nicht funktioniert und man komplett auf Andere angewiesen ist.